Die Situation am steirischen Arbeitsmarkt ist, insbesondere im Handwerksbereich, weiterhin von einem Mangel an qualifizierten Fachkräften geprägt. Dieser Artikel fasst zusammen, in welchen Handwerksberufen in der Steiermark die größte Nachfrage herrscht, nennt die offiziellen Engpassberufe nach aktueller Datenlage und erläutert regionale Unterschiede sowie mögliche Ausbildungswege.
Fachkräftemangel im steirischen Handwerk: Überblick und aktuelle Daten
Der Bedarf an Fachkräften im Handwerk bleibt in der Steiermark hoch. Laut AMS-Fachkräftebarometer für das zweite Quartal 2026 bestehen Engpässe vor allem in folgenden Berufsfeldern: Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Installations- und Gebäudetechnik, Metalltechnik und Tischlerei. Für Menschen mit Ausbildung oder Interesse in diesen Bereichen bietet sich ein Arbeitsmarkt mit einer Vielzahl offener Stellen in sämtlichen Regionen, darunter Graz, das Ennstal, Bruck, Kapfenberg und die Südsteiermark an. Durch den anhaltenden Fachkräftemangel ist gerade im technisch und handwerklich geprägten Berufssektor die Suche nach Personal in den steirischen Betrieben sehr ausgeprägt. Das betrifft nicht nur große Betriebe, sondern auch viele kleinere und mittelständische Unternehmen in städtischen wie ländlichen Regionen.
Offizielle Engpassberufe 2026 in der Steiermark
Die Liste der Engpassberufe wird in Österreich jährlich auf Basis offizieller Arbeitsmarktdaten erstellt. Nach den Angaben des AMS-Fachkräftebarometers (Q2 2026) zählen in der Steiermark insbesondere folgende Handwerksberufe zu den Top-5-Engpassberufen: Elektroinstallateur:in, Techniker:in für Maschinenbau, Kraftfahrzeugmechaniker:in, Schlosser:in und Rohrinstallateur:in. Diese Auswahl orientiert sich an der Zahl unbesetzter Stellen sowie am Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Wenn Unternehmen über lange Zeiträume offene Positionen nicht besetzen können, wird dies als Engpass klassifiziert. Diese Handwerksberufe bilden das Kernfeld des steirischen Bedarfs und sind in der gesamten Region von hoher praktischer Relevanz – sowohl im städtischen Graz und Umland als auch in den industriell geprägten Regionen der Obersteiermark und im Ennstal.
Regionale Schwerpunkte: Wo werden Fachkräfte besonders gesucht?
Ein Blick auf die Steiermark zeigt klare regionale Unterschiede bei der Nachfrage nach Fachpersonal im Handwerk. In urbanen Zentren wie Graz, aber auch in den Städten Leoben, Bruck und Kapfenberg bilden größere Industriebetriebe sowie zahlreiche Handwerksunternehmen wichtige Arbeitgeber. Hier ist der Personalbedarf in den genannten Engpassberufen besonders groß, da viele dieser Firmen für laufende und neue Projekte fortwährend Verstärkung auf allen Qualifikationsebenen suchen. Daneben zeigen Erhebungen, dass auch in der Südsteiermark, im Murtal oder im Bezirk Weiz immer wieder Lehrlinge und Facharbeiter:innen gesucht werden. Das betrifft insbesondere Metallverarbeitung, Elektrotechnik und Installationsberufe in den zahlreichen regionalen Betrieben. Durch die breite Verteilung verschiedener Branchen, von Bau- über Kfz-Betriebe bis zu spezialisierten Metallbauern, bestehen sowohl in Ballungsräumen als auch im ländlichen Raum Beschäftigungsmöglichkeiten im Handwerk.
Handwerksausbildung: Wege zum Fachberuf in der Region
Zu den klassischen Ausbildungswegen ins Handwerk zählt in der Steiermark wie in ganz Österreich in erster Linie die duale Lehre mit Praxis im Betrieb und theoretischer Bildung in der Berufsschule. Je nach Berufsfeld nimmt die Ausbildung meist zwischen drei und vier Jahren in Anspruch und endet mit einer Lehrabschlussprüfung. Darüber hinaus stehen mit höheren technischen Lehranstalten, Fachschulen und diversen Weiterbildungsangeboten zahlreiche Möglichkeiten offen, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder nach der Lehre zusätzliche Spezialisierungen zu erwerben. Förderungen zur Lehrlingsausbildung und moderne Programme zur Berufsorientierung sollen jungen Menschen einen Zugang zu Handwerksberufen erleichtern. Ziel ist es, dem strukturellen Mangel an qualifizierten Kräften in den Engpassberufen gezielt entgegenzuwirken.
Wie wird die Nachfrage nach Engpassberufen festgestellt?
Die Einstufung und Beobachtung regional stark nachgefragter Handwerksberufe erfolgt durch mehrere Stellen anhand von Arbeitsmarktdaten, Unternehmensbefragungen und offenen Stellenmeldungen. Das AMS-Fachkräftebarometer erfasst regelmäßig, in welchen Berufen Überhänge an offenen Stellen bestehen und zu welchen Berufsgruppen die Bewerber:innenzahlen deutlich unter dem Bedarf ausfallen. Auch die Wirtschaftskammer Steiermark und verschiedene Berufsverbände führen jährliche Erhebungen zum Fachkräftebedarf durch. Einen weiteren Einblick geben Medienberichte – so listet die ORF Steiermark im Jahr 2026 insgesamt 43 Mangelberufe, wobei insbesondere technische und handwerkliche Berufe wie Installationstechnik, Elektrotechnik und Dachdeckerei in der Praxis laufend gesucht werden.[3]
Wie viele Unternehmen sind in Österreich vom Fachkräftemangel betroffen?
Eine Erhebung der Wirtschaftskammer Österreich im Frühjahr 2026 ergibt, dass rund 78 % der Unternehmen im Land angaben, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. Diese Zahl bezieht sich auf alle Branchen und verdeutlicht die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Themas. Zwar kann daraus nicht direkt auf die exakte Situation in jedem einzelnen steirischen Handwerksbetrieb geschlossen werden, doch die hohe Zahl betroffener Betriebe reflektiert auch die Herausforderungen für die Handwerksbranche in der Steiermark.
Ursachen für den anhaltenden Fachkräftemangel im Handwerk
Die Gründe für die Engpässe im regionalen Handwerk sind vielfältig. Zum einen stehen immer weniger qualifizierte Fachkräfte nach, weil ältere Arbeitnehmer:innen die Branche altersbedingt verlassen und zu wenige junge Menschen sich für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden. Zum anderen ist die Ausbildung in den Schlüsselberufen – etwa Elektrotechnik oder Maschinenbau – anspruchsvoll und verlangt neben technischer Begabung auch Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung. Häufig werden zudem schulische oder akademische Bildungsalternativen stärker beworben und gewählt, was den Zustrom an Nachwuchs ins Handwerk zusätzlich schwächt. Das führt zur Situation, dass zahlreiche offene Stellen unbesetzt bleiben, obwohl der wirtschaftliche Bedarf in den Betrieben weiter steigt.
Regionale Perspektiven für Bewerber:innen und Auszubildende
Insgesamt bleibt die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften im Handwerk in allen Teilen der Steiermark groß. Insbesondere in den genannten Engpassberufen zeigen aktuelle Daten eine dauerhafte Nachfrage. Für Jugendliche und Erwachsene, die einen beruflichen Einstieg oder eine Weiterbildung im Handwerk suchen, gibt es daher vielfältige Möglichkeiten am regionalen Arbeitsmarkt. Die Wahl eines Handwerksberufs wird regional auch dadurch attraktiv, dass viele Arbeitsplätze ortsnah verfügbar sind und Betriebe aktiv um neue Fachkräfte und Lehrlinge werben. Initiativen und Programme auf Landes- und Bundesebene fördern die Berufsausbildung und unterstützen den Übergang von Schule in den Beruf gezielt.
Fazit: Wie die Engpassberufe die Entwicklung im steirischen Handwerk prägen
Die steirischen Engpassberufe im Handwerk sind nach aktuellen Daten klar umrissen und betreffen vor allem Elektroinstallation, Maschinenbau, KFZ-Technik, Schlosserei und Rohrinstallation. Regionale Unterschiede bestehen, aber in allen Teilen der Steiermark bleibt der Bedarf an qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern hoch. Eine fundierte Ausbildung eröffnet Zugang zu einer stabilen Branche mit breitem Angebot an Arbeitsplätzen und Entwicklungschancen. Die fortlaufende Nachfrage in diesen Berufen bestätigt, dass das Handwerk in der Steiermark ein zukunftssicherer Wirtschaftsbereich ist.
Quellen
[3] ORF Steiermark: Mangel an Fachkräften – 43 Berufe in der Steiermark (ORF Steiermark, 2026-02-28)



















