Der Venture-Capital-Markt im DACH-Raum zeigt 2024 erste Zeichen eines Comebacks, was auch für die Steiermark neue Chancen eröffnet. Während die Unsicherheit der Vorjahre noch spürbar ist, profitieren innovative Start-ups und deren CFOs zunehmend von neuen Kapitalströmen, insbesondere im Tech- und Greentech-Sektor. Doch gerade in Österreich und speziell in der Steiermark bleibt der Zugang zu Risikokapital branchenabhängig und mit besonderen Herausforderungen verbunden.
- VC-Investments legen 2024 in der DACH-Region wieder zu, beleben aber nicht alle Branchen gleichermaßen.
- Steirische Städte wie Graz und Leoben profitieren von neuen Netzwerken, Veranstaltungen und Fördertöpfen.
- CFOs und Gründer müssen Finanzierungsrunden weiterhin sorgfältig vorbereiten, da Wettbewerb und Anforderungen steigen.
VC-Comeback im DACH-Raum – was Zahlen und Trends 2024 zeigen
Im ersten Quartal 2024 registrierten Experten wieder deutlich mehr Venture-Capital-Investitionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nachdem der Markt im Vorjahr von Zurückhaltung geprägt war. Der Großteil des Kapitals floss nach wie vor nach Deutschland, aber auch heimische Start-ups und Unternehmen in Österreich konnten eine positive Entwicklung verzeichnen [1]. Insbesondere Frühphasenfinanzierungen sind wieder einfacher zu bekommen, was Gründern einen wichtigen Anschub bietet. Dennoch bleibt das Gesamtvolumen der Investments noch unterhalb früherer Rekordjahre, und die Frage nach der Nachhaltigkeit des aktuellen Aufschwungs bleibt offen.
Österreichs Start-ups zwischen stabilen Deals und gemischtem Finanzierungsumfeld
Nach einem herausfordernden Jahr 2023 belebt sich der Wagniskapitalmarkt für österreichische Start-ups wieder. Investoren zeigen seit Anfang 2024 vermehrtes Interesse an Wachstums-Startups in Sektoren wie Künstliche Intelligenz, Gesundheit und Greentech. Die Erholung ist allerdings nicht flächendeckend: Gerade Start-ups aus traditionellen Branchen wie Handwerk und Landwirtschaft in der Steiermark haben weiterhin Schwierigkeiten, Zugang zu Risiko- und Wachstumskapital zu finden. Expertinnen und Experten fordern deshalb seit Jahren eine Stärkung des Angebots an institutionellen Investoren, um das sogenannte „VC-Loch“ zwischen Früh- und Spätphase zu schließen.
Steiermark im Fokus: Start-ups und Innovationszentren in Graz, Leoben und Obersteiermark
Die Steiermark setzt auf regionale Standortstärken, um im Wettbewerb um Venture Capital attraktiver zu werden. Graz und Leoben profilieren sich mit lebendigen Start-up-Ökosystemen, unterstützt durch innovative Unternehmen wie USound aus Graz, die vom gestiegenen Investoreninteresse profitieren. Neue Netzwerktreffen und Investor:innen-Events, etwa im März 2024, stärken die Sichtbarkeit der Region als dynamischer Innovationsstandort. Förderangebote und unkomplizierte Anlaufstellen, darunter die Steirische Wirtschaftsförderung (SFG), das Zentrum für Angewandte Technologie (ZAT) Leoben oder die Plattform Startupmark, helfen regionalen Gründerinnen und Gründern beim Zugang zu Kapital und Know-how.
Finanzierungswege und Fördermöglichkeiten für steirische Gründerinnen und Gründer
Für Start-ups in der Steiermark stehen neben klassischem Venture Capital auch regionale Förderprogramme, Business Angels und öffentliche Wettbewerbsausschreibungen zur Verfügung. Institutionen wie die SFG und das ZAT bieten gezielte Unterstützung, die den Weg zu nationalen und internationalen Investor:innen ebnen kann. Regionale Ökosysteme, etwa das ZAT Leoben und die Montanuniversität, spielen beim Transfer von Wissenschaft in die Wirtschaft eine wichtige Rolle und bringen sowohl Spin-offs als auch Jungunternehmen mit Kapitalgebern in Kontakt. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen bestehen: Frühphasenkapital ist zwar besser zugänglich, aber das Überwinden der Lücke zur Wachstumsfinanzierung setzt weiterhin Engagement und professionelles Financial Storytelling voraus. Weitere Praxistipps und strategische Einblicke zur Eigenfinanzierung bietet auch unser Beitrag Bootstrapping für Tech-Startups: Finanzierungsstrategien und Praxistipps.
Was CFOs und Gründer vor der nächsten Finanzierungsrunde wissen sollten
CFOs sind in der aktuellen Marktsituation besonders gefordert: Sie müssen Finanzierungsrunden umsichtig planen, Auskunft über Kapitalbedarf und Liquidität geben und das Vertrauen der Investor:innen stärken. Neben einer professionellen Pitch- und Finanzierungsstrategie kommt es auf die Integration potenzieller Partner in langfristige Wachstumspläne an. Transparente Geschäftsmodelle, belastbare Finanzpläne und eine überzeugende Roadmap sind Schlüssel zum Erfolg. Auch unerfahrene Gründerinnen und Gründer sollten frühzeitig auf externe Unterstützung setzen, etwa aus Unternehmensnetzwerken oder Hochschulinitiativen in Graz und Leoben.
Typische Probleme: Sektorspezifische Herausforderungen und regionale Barrieren
Obwohl der VC-Markt insgesamt aufholt, profitieren nicht alle Branchen und Regionen gleich. Besonders Start-ups aus dem Handwerk oder der Landwirtschaft in der Steiermark finden weiterhin nur schwer Zugang zu institutionellem Beteiligungskapital, da Investoren bevorzugt auf Tech- und Greentech-Modelle setzen. Die regionale Innovationskraft reicht häufig nicht aus, um internationale Kapitalgeber anzuziehen – hier hilft eine stärkere Vernetzung mit regionalen Förderstellen, dem Mittelstand und Wissenschaftsclustern.
Aktuelle Entwicklungen: Netzwerke, Greentech und neue Arbeitsplätze in der Steiermark
Der Aufwärtstrend in der steirischen Start-up-Szene zeigt sich auch in neuen Arbeitsplätzen und Partnerprojekten. Die Schwerpunkte verschieben sich deutlich in Richtung Künstliche Intelligenz, digitale Gesundheit und nachhaltige Technologien. Gleichzeitig verstärken Business-Netzwerke in Graz und Leoben den Erfahrungsaustausch und erleichtern Kooperationen. Investor:innen-Events und Förderprogramme sind darauf ausgelegt, dem steirischen Innovationsökosystem mehr Sichtbarkeit und Teilhabe am DACH-weiten VC-Markt zu ermöglichen.
Chancen und Grenzen des möglichen Aufschwungs für die Region
Das Comeback der Venture-Capital-Investitionen könnte für die Steiermark einen neuen Innovationsschub bedeuten und langfristig zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, vor allem in forschungsnahen und technologiegetriebenen Sektoren. Doch die Entwicklungen sind mit Unsicherheiten behaftet: Die Nachhaltigkeit des Trends ist umstritten und nicht alle Branchen oder Regionen profitieren gleichermaßen. Entscheidend bleibt, dass Förderstellen, Unternehmen und Hochschulen weiterhin gemeinsam daran arbeiten, Start-ups den Zugang zu Kapital und zu relevanten Netzwerken zu erleichtern. Für CFOs und Gründerinnen bedeutet dies eine Doppelstrategie: einerseits regionale Chancen nutzen, andererseits die strukturellen Hürden realistisch beurteilen und proaktiv angehen.
Quellen
[1] Venture Capital Report 2024: DACH-Region startet dynamisch ins Jahr (Dealroom, 2024-03-21)














